Warum sie wirklich falsch liegen

Asylheime brennen, Menschen sterben in und in Folge von Kriegen, Menschen ertrinken auf dem Mittelmeer und verdursten in der Wüste, Grenzen werden dicht gemacht, Flüchtlinge die es trotzdem nach Europa schaffen, werden schlecht behandelt oder im Stich gelassen und faschistoide Tendenzen in der Gesellschaft nehmen zu. Zeitgleich bekommen wir über die bürgerlichen Medien ein beispielloses Zelebrieren deutscher Willkommenskultur in Form eines neuen Patriotismus geliefert, der wiederum maßgebliche Einschnitte in das Streikrecht, TTIP & Co, Kriminalisierung von politischem Widerstand und imperialistisches Machstreben Deutschland überdeckt. Das alles kann einen wirklich wütend und traurig machen, zu recht! Aber ist deshalb gleich jeder Kampf gegen diese Erscheinungen wirklich effektiv und nachhaltig? Und ist jede Kritik am Faschismus eine gute, also zielführende Kritik? Was ist eigentlich unser Fokus im Kampf gegen alles was aus Menschen erniedrigte, geknechtete, verlassene, verächtliche Wesen macht?

Verharmlosung und Herabwürdigung

Ich weiß gar nicht wann das angefangen hat, aber eine der häufigsten derzeit zu beobachtenden Reaktionen auf Menschen mit rechter Gesinnung und ihrer Aussagen ist wohl diese Menschen als unfähig und unwürdig hinzustellen. Da werden Rechtschreibkorrekturen gemacht, da wird darüber gelacht, dass diese Menschen dumm sind und ihnen die Bildung fehlt und dass sie eh nur Bier saufen. Der mehr als substanzlose und unbestimmte Ausdruck „Pack“ wird zum Modewort, auf den sich diese Personen sogar noch selbst beziehen. Die Schranken gegen Sexismus und Homophobie und andere Formen von Diskriminierung, die sonst universell angewendet werden, werden einfach fallen gelassen. Und überhaupt wird ihnen nicht selten einfach abgesprochen zur Gesellschaft zu gehören und sie werden als niedere Wesen dargestellt, die schon gar nicht verdient hätten zu leben.

Ich denke, dass jene die den Rechts-Gesinnten so entgegnen, selbst gar keine echte Kritik haben, anders kann ich mir das nicht vorstellen. Welche Wirkung soll das denn erzielen? Erstens ist es doch traurig und nicht lustig, dass es Menschen gibt die tatsächlich zu wenig Wissen abbekommen haben und wir könnten dahingehend auch eine Menge Kritik am Kapitalismus und der bürgerlichen Ideologie üben. Zweitens ist doch das Schlimme an einer fremdenfeindlichen Aussage das verkehrte Denken aus dem Fremdenfeindlichkeit kommt und nicht die verfehlte Rechtsschreibung (oder Ähnliches), die wir schließlich bei unseren Mitmenschen mit Migrationshintergrund auch nicht extra bemängeln. Und drittens ist es doch totaler Quatsch Menschen die selbst oft homophob und sexistisch sind, mit Homophobie und Sexismus in die Schranken gewiesen zu glauben. Diese Liste ließe sich ewig fortführen.

Faschismus als eine Form bürgerliche Ideologie & Herrschaft

Aber nähern wir uns deshalb doch mal an den Begriff des Faschismus an. Ich weiß dass es dazu viele Definitionen gibt, die ihn im Detail beschreiben und ich empfehle auch sich damit zu beschäftigen. Doch in einer grundsätzlichen Betrachtung könnten sich alle, die sich auch nur grundlegend mit dem Kapitalismus auseinandergesetzt haben, einig sein:

Der Faschismus ist eine Form bürgerliche Ideologie & Herrschaft. Faschisten berufen sich nicht nur auf die selbe kapitalistische Produktionsweise, samt Privateigentum an Produktionsmittel (Land, Ressourcen, Betriebe, Maschinen, etc.) und dem Profit als Zweck des Wirtschaftens, als auch auf dieser aufbauenden Kultur und dem staatsbürgerlichen Denken, der in der Erziehung und in der Bildung fest verankert ist. Ihre Haltung unterscheidet sich also von Otto-Normal doch hauptsächlich nur im Grad ihrer Enttäuschung darüber, dass es nicht gut läuft. Sie reden halt dann nicht mehr über ein politisches Versagen der Politiker, sondern vom Verrat, von mangelnder Souveränität ihres Landes, von mangelnder Homogenität der Bevölkerung und Ähnliches mehr. Auch ihre Kapitalismus-Kritik endet schon frühzeitig in der Forderung, dass das Kapital doch dem Volk dienen solle. Mehr noch, sie leugnen sogar jeden Zusammenhang zwischen ökonomischer Ausbeutung und den Auswirkungen dieser. Sie proklamieren nicht selten den Kampf gegen den Klassenkampf, welchen sie in ihrer bürgerlich ideologischen Verblendung  am allerwenigsten wirklich verstehen.

Daraus folgt doch, dass der Faschismus der hier als Hauptfeind im Lande dargestellt wird, gar nicht der Hauptfeind ist, sondern die bürgerliche Ideologie, aus der der Faschismus schließlich hervorgeht. Aber wie oft haben Antifa-Gruppen und zahlreiche linke Gruppierungen in letzten Jahren bis auf einige wenige Ausnahmen an den vorherrschenden Ideen dieser Gesellschaft kritisiert? …

Gefahr für die demokratische Grundordnung

… sehr selten! Ganz im Gegenteil. Viele Antifa-Gruppen und linke Zusammenhänge, haben auf Grund ihres Fokus auf dem Antifaschismus diesen Kampf beigelegt und treten jetzt bewusst oder unbewusst für die bürgerliche Gesellschaft als geringeres Übel zum Faschismus ein und verteidigen diese sogar auch noch. Als Dank dafür bekommen sie dann schlechte Schlagzeilen und übernehmen die Drecksarbeit für eine Politik, die sich von der „rechtsextremen“ Konkurrenz fernhalten will. Auf der einen Seite spricht man dann vom guten Ansehen Deutschlands, das zu bewahren sei und dankt in einigen heuchlerischen Veröffentlichung heimlich „der Antifa“ und auf der anderen Seite bejubelt man sich selbst, weil man ja ach so hart und effizient gegen den Hauptfeind Faschismus vorgegangen ist. Das Kapital triumphiert und die offizielle Politik kann ohne große Gegenwehr zu erwarten, mit ihren zunehmend faschistoideren Methoden und Gesetzgebungen die Ausbeutung der Menschen verschärfen. Denn eins fällt dann schon auch auf: Vor den Parlamenten und Parteibüros mobilisiert sich keine Blockade, wenn wieder einmal rassistische Gesetze beschlossen werden. Lieber verbringt man Zeit damit ein paar Dutzend rechte Schläger abgeschirmt von der Polizei ganz in der oben beschriebener Manier, wüst zu beschimpfen und mit Steinen zu bewerfen.

Passend dazu trägt diese Antifa-Kultur auch alle Merkmale sonstiger Freizeit- und Unterhaltungsindustrie: Vom Dresscode bis hin zu kommerziellen Merchandising-Produkten, über kommerzielle Musik und geschlossene Szene-Kneipen; für den hippen linken Szene-Kult ist alles dabei! Und wehe man passt da nicht ganz rein, dann hat man gleich nur mehr den halben Spaß und ist halt nicht „drin“. Alles in allem: Wo halt die Substanz fehlt, da muss sie durch altbewährte Mittel kompensiert werden. Ein Armutszeugnis.

Raus aus der Szene!

Aber was können wir dagegen jetzt tun? Ich denke wenn wir da raus wollen, müssen wir zu aller erst auch raus aus der Szene. Wir müssen uns wieder viel mehr damit beschäftigen, was das eigentlich für ein Laden ist, der Kapitalismus genannt wird und wie die Dinge die um uns herum passieren, einzuordnen sind. Wir müssen das was wir an Erkenntnissen gewinnen wieder viel stärker in die Gesellschaft hineintragen und eine solidarische Diskussionskultur ermöglichen. Wir müssen da teilnehmen, wo die Menschen real um ihre Interessen kämpfen und unsere radikaleren Positionen hineintragen. Wir dürfen uns dabei nicht ständig in Beliebigkeit verlieren und für ein paar Stimmen im Wahlkampf oder für ein bisschen Zustimmung in den Medien weich werden.

Beispiele & Dialektik gegen rechts!

Wie wäre es, wenn wir anstatt unsere politischen Gegner wüst zu beschimpfen, wirklich Kritik an ihrer Haltung zur Ausbeutung auf wirtschaftlicher Basis üben und sie von ihrer bürgerlichen Ideologie wegführen. Damit könnten wir den faschistischen Entwicklungen und Tendenzen doch vorbeugen und würden uns tatsächlich auch gegen ein System richten und nicht nur gegen seine Handlanger. Das könnte dann so aussehen:

In den Klassenkämpfen, angefangen von Kämpfen für bessere Löhne, Wohnraum, gegen Imperialismus & Krieg, für eine gute Bildung für alle, etc bis hin zum Protest gegen das Regime, zeigen wir uns nicht nur solidarisch und begleiten die Prozesse, wir bringen uns auch mit unseren Analysen und unserer Kritik ein.

In der Konfrontation mit Gewalt, Krieg und Faschismus setzen wir uns für Konfliktlösung und Aufklärung ein und sind praktisch solidarisch, wenn Menschen sowohl verbal als auch körperlich angegriffen werden. Wir sind aktiv an der Versorgung von Menschen in Not beteiligt und setzen uns für sie ein. Wir setzen da an, wo der Konflikt entsteht und setzten uns auch individuell mit Menschen und ihren Beweggründen auseinander. Wir belassen es aber nicht bei der unmittelbaren Hilfe, sondern wir bilden eine Basis für ein revolutionäres Bewusstsein, in dem wir Klarheit über die Zusammenhänge in der Gesellschaft vermitteln. So bauen wir ganz nebenbei auch noch die Wissens-Hierarchien ab, die viele Gefahren mit sich bringen und Menschen daran hindern, sich gleichermaßen zu beteiligen.

Wir beenden endlich die ewige Spalterei in Gruppen und Kleinstgruppen und finden eine gemeinsame aber nicht beliebige Basis in einer großen Organisation. Persönliche Differenzen und den Fokus auf Nebenwidersprüchen legen wir beiseite, weil wir wissen, dass es in diesem Kampf um nichts anderes gehen kann, als die Befreiung der Menschen aus einem bedürfnisfeindlichen System. Wir bündeln wieder unsere Kräfte, weil wir wissen dass Kleinst-Angriffe fast nichts bewirken, dass wir aber großes Bewirken, wenn wir viele sind.

Faschisten im Speziellen aber bürgerliche Ideologie ganz im Allgemeinen können wir dann auf Basis dessen was wir über sie wissen und wie wir sie betrachten auch wirklich kritisieren. Das heißt vor allem: Wir können benennen worin ihre spezielle Stellung zur wirtschaftlichen Ausbeutung falsch ist, warum sie beispielsweise mit ihrer Haltung die ausgebeutete Klasse entlang nationaler und religiöser Grenzen spalten. Und schließlich was an ihren Vorstellungen falsch ist, die sie von der bürgerlichen Ordnung im Gesamten haben. Deswegen liegen sie ja schließlich falsch, nicht weil sie Bier trinken oder Wörter falsch schreiben.

Das wär doch was, oder?

In diesem Sinne: Viel Erfolg im Kampf! Über Feedback würde ich mich freuen.

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