Heute soll es mir um die aktuelle Situation rund um den Döppersberg Umbau und den damit verbundenen Bau eines Primark auf diesem gehen. Dazu will ich erstmal euch Leser*innen auf den aktuellen Stand bringen und kurz schildern was da bisher so gelaufen ist um im Anschluss genauer darauf einzugehen, welche wirtschaftlichen Verhältnisse dazu führen und dass diese Art von Investition in die Stadt nur wenige Menschen glücklich machen wird und für all die Anderen eine wesentlich schlechtere Lebensqualität bedeuten wird.
Was bisher geschah
Die regierenden und daher herrschenden Parteien in Wuppertal (SPD & CDU) haben über die Köpfe der Wuppertaler*innen hinweg entschieden den Bahnhofsvorplatz in eine Shopping Mall umzufunktionieren. Es gab nicht nur ca. 13.000 Unterschriften gegen die Mehrkosten der Baumaßnahmen am Döppersberg, sondern auch tausende Unterschriften gegen die Eröffnung des Primarks. Und noch viel wichtiger: Es gibt viele Stimmen, die zurecht fordern, dass die Bevölkerung selbst die Art der Neugestaltung des Bahnhofs bestimmen sollten, weil die Bedürfnisse der Menschen die in dieser Stadt wohnen nicht mit den Plänen der Stadt und ihrer Investor*innen im Einklang zu bringen sind. All das wurde einfach ignoriert und die Pläne werden weiterhin durchgeführt. Auf dem Bahnhofsvorplatz, also an einem der zentralsten Orte in Elberfeld soll also ein riesiger Klotz hingebaut werden, der dem Primark-Konzern dazu dienen soll seine Waren zu verkaufen.
Was das unmittelbar bedeutet
Für die Textil-Arbeiter*innen in den Zulieferbetrieben für Primark zum Beispiel in Bangladesch bedeutet das in erster Linie weiterhin ein sehr blutiges Geschäft auf ihre Kosten. Die Näher*innen leben in dreckigen Lehmhütten um für so wenig Geld Akkordarbeit zu leisten, dass sie dabei buchstäblich wegsterben und laufend ersetzt werden müssen. Für die Angestellten in Deutschland bedeutet das weiterhin Dumping-Löhne, Zeitarbeit und damit ein Einkommen, das mit viel Glück durch Hartz4 aufgestockt wird und oftmals dennoch nicht reicht um den eigenen Lebensunterhalt zu decken. Und für die Konsument*innen bedeutet das weiterhin mit Ware in sehr mangelhafter Qualität, also mit Wegwerf-Textilien für wenige Euro abgespeist zu werden. Zuletzt die langfristigen Folgen für die Stadt insgesamt sind auch schnell ausgemacht: Durch die vermehrte Ansiedlung von Shoppingmalls, werden kleinere Existenzen, also sowohl nicht zahlungskräftige, also arme Menschen, als auch kleine Läden immer weiter verdrängt. Es finde langfristig eine Gentrifikation statt, in der früher oder später Wohnungen geräumt und damit Menschen in andere Stadtteile vertrieben werden.
Was also so oft und so schön als „Arbeitsplätze schaffen“ im Raum steht oder ist pure Ausbeutung. Und was als „günstige Alternative“ angepriesen wird, täuscht nur darüber hinweg, dass sich ein Großteil der Menschen in dieser Stadt offenbar auch gar nichts anderes mehr leisten kann als Produkte die auf Kosten von Mitmenschen und Umwelt produziert werden. Und mehr noch: Es macht deutlich, dass die Bedürfnisse nach Kleidung wie die Bedürfnisse nach anderen Dingen erst durch den Zweck der Produktion, also dem Gewinn getrennt werden und die Dinge und die Menschen erst zur Ware werden lassen. Dazu nachfolgend mehr.
Was steckt dahinter?
Wie bereits angedeutet, geht es bei dieser Investition sowohl für die Stadt als auch für die beteiligten Investoren & Konzerne nicht um die Bedürfnisse der Menschen vor Ort, wie etwa eine möglichst gute Versorgung mit den Dingen, die sie brauchen und einer sozialen Infrastruktur, sondern um den Zweck der Produktion schlechthin in unserem Wirtschaftsystem. Im Kapitalismus ist dieser Zweck die Ausbeutung der Menschen um Kapital zu akkumulieren, auch „Kapital-Akkumulation“ genannt. Akkumulation heißt Anhäufung, es geht also um die Anhäufung von Kapital, . Die Produktion ist also nicht darauf ausgerichtet, die Bedürfnisse der Bevölkerung insgesamt zu decken und demnach geplant, sondern sie dient dem Zweck die produzierte Ware erst einmal den Menschen durch das Preisschild zu entziehen und somit diese Menschen dazu zu bringen sich Geld dafür zu beschaffen um sich dafür wieder ausbeuten zu lassen.
Warum funktioniert das? Es funktioniert durch das Privateigentum. Da nur wenige Menschen das Kapital und das Stück Land, also die Mittel der Produktion besitzen um Menschen für sich arbeiten zu lassen, bleibt den meisten Menschen gar nichts anderes übrig: Möchten sie auch ihre Bedürfnisse befriedigen, müssen sie ihre Arbeitskraft möglichst billig verkaufen um das dafür dann nötige Geld zu kommen. Und da es viele sind, drückt das auch den Preis ihrer Arbeitskraft und am Ende bleibt bei entsprechender Konkurrenz nicht viel übrig. Die Folge ist Armut oder zumindest eine starke Einschränkung dessen, welche Bedürfnisse sie sich erfüllen können und in welchem Ausmaß sich die Menschen diese erfüllen können. Die Menschen können immer weniger von ihrem Lohn leben.
Wer aber sorgt dafür, dass es das Privateigentum an den Produktionsmittel gibt und wer bestimmt, dass der Zweck der Produktion Gewinn ist? Kurz und knapp: Es ist der Staat, der das kapitalistische Wirtschaften mit seinen Gesetzen diktiert. Nur innerhalb des Rahmens, den der Staat vorgibt, können, wollen und sollen Menschen dieses Wirtschaften selbst organisieren. Ändern können sie diese Verhältnisse ohne Repression zu erfahren nicht, weil hinter den Gesetzen der Staat mit seiner Staatsgewalt steht und sie für die herrschende kapitalistische Klasse durchsetzt. Die Exekutive (Militär, Polizei, Ordnungsamt) hat also unmittelbar unter anderem den Auftrag Privateigentum zu schützen und damit auch Menschen von diesem Eigentum fernzuhalten, auch wenn vom Zugriff zu diesem ihr Leben abhängt. Die Staatsgewalt muss aber gar nicht immer mit Gewalt reagieren, weil auch die Menschen in diesem System so sehr gefangen sind und sich so wenige Alternativen denken, dass sie schon selbst für die Einhaltung der Ordnung eintreten. Das führt sogar soweit, dass die Fehler nicht im Kapitalismus gesucht werden, sondern bei anderen Menschen der unterdrückten Klasse, die angeblich nichts „beitragen wollen“ oder „Sozialschmarotzer“ seien. Standort-Patriotismus, Rassismus und Sozialer Rassismus finden hierbei ihren Nährboden und damit auch faschistische Tendenzen innerhalb der Gesellschaft.
Also: Durch die Eigentums- und Produktionsverhältnisse und die damit zusammenhängende Warenförmigkeit von Dingen und Menschen, ist dieses Wirtschaftssystem bedürfnisfeindlich. Der Staat erhält diese Verhältnisse im Auftrag der kapitalistischen Klasse aufrecht und sorgt somit mit den Rahmenbedingungen die er mit Gewalt durchsetzt zwangsläufig für Armut. Gleichzeitig können sich jene die in den Genuss kommen Privateigentum an Produktionsmittel zu haben, noch besser an den Arbeiter*innen-Massen bedienen und sie noch besser für den Kapital-Zweck der Produktion ausbeuten. Die Gesellschaft sorgt dabei selbst für die Durchsetzung dieser vom Staat diktierten Verhältnisse und schreckt dabei langfristig auch nicht davor zurück faschistoiden Einstellungen an den Tag zu legen und entsprechende Verschärfungen zu fordern die die Lebensumstände nur noch verschlechtern. So fordern sie zum Beispiel mangels Wissen darum, dass der Staat das kapitalistische Wirtschaften organisiert, ein Mehr an Staat und erreichen damit eine Verstärkung dessen, worunter sie am meisten leiden: die Herrschaft des Kapitals.
Fazit
Wenn wir Primark ähnlichen Konzernen einer Kritik unterziehen wollen, die über den bloßen symbolischen Fingerzeig auf Symptome hinausgeht, dann lohnt sich ein Blick auf die wirtschaftlichen Verhältnisse und die damit verbundene Herrschaft, die eine solche Art des Wirtschaftens auf Kosten von Mensch und Umwelt erst ermöglichen. Dann sollte uns klar sein:
Primark & Co sind nur krasse Beispiele einer bedürfnisfeindlichen Wirtschaft!
Schon allein deshalb machen uns Primark & Co nicht glücklich!
Weiterführende Links:
