AZ an der Gathe – Freiraum für alle!

Am 18. Oktober 2014 um 15 Uhr findet in der Elberfelder Innenstadt in Wuppertal eine Demonstration für das Autonome Zentrum Wuppertal statt. In diesem Artikel möchte ich darauf eingehen, welche unterschiedlichen Gründe es gibt dieses Zentrum und die Menschen die darin und um es herum leben zu unterstützen. Dazu gehe ich erst einmal auf den Begriff „autonom“ ein:

Autonom – Selbstbestimmte Selbstverwaltung

Autonom steht für Selbstbestimmung und Selbstverwaltung ohne Hierarchien. Das Autonome Zentrum verwaltet sich mit konsensorientierten Plena selbst. Am Konsens orientiert und ohne Hierarchien heißt hier also konkret: Es gibt keine Vorgesetzten oder Bediensteten und die Menschen die in diesem Haus leben und es miteinander gestalten entscheiden selbst über Regeln und Ordnung ohne sich dabei gegenseitig zu überstimmen. Ziel ist es immer ein möglichst große Übereinstimmung aller Interessen zu erreichen und alle Bedürfnisse in der Entscheidungsfindung voranzustellen. Besonders unter dieser Voraussetzung bietet ein Autonomes Zentrum, das was sonst kaum ein kommerzielles Projekt oder das Alltagsleben leisten kann: Es gibt allen die Möglichkeit die Erfahrung zu machen gemeinsam frei, solidarisch und ohne Zwang zu leben. Und mit allen sind auch jene gemeint die bei einer kommerziellen Ausrichtung auf Grund ihrer finanziellen oder materiellen Lage keine Chance hätten teilzuhaben. Autonom bedeutet nämlich auch, dass dieses Projekt sich unabhängig und durch die Beteiligung aller selbst erhält – also nicht darauf angewiesen ist Umsatz im gewöhnlichen Sinne zu generieren oder Fördermittel zu erhalten. Deshalb wird auch der Mensch nicht als potentieller Konsument angesehen, sondern eben als Mensch.

Kämpferisch und solidarisch

Das AZ Wuppertal ist ein strategischer Punkt für den Kampf gegen Nazis und rechte Ideologie. Es bietet nicht nur die Infrastruktur um sich in der Auseinandersetzung mit diesen zu organisieren, sondern leistet auch Hilfestellung für Aktivist*innen die das Risiko auf sich nehmen sich gegen den Faschismus zur Wehr zu setzen. Das AZ fördert Projekte außerhalb des Zentrums die diese und andere Interessen und Bedürfnisse der Menschen innerhalb und außerhalb vertreten. So gibt es regen Kontakt zum Stadtteil und den Nachbarn und Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch. Immer wichtiger werden hier vor allem Projekte die die Grundbedürfnisse der Menschen vor Ort decken. So gibt es zum Beispiel wechselseitige Unterstützung zwischen der VoKü und der Hexenküche, welches beides Projekte sind in denen Leute gemeinsam kochen und kostenlose Mahlzeiten anbieten. Und es gibt Kontakt zu einem Foodsharing-Projekt in der Nordstadt, das an drei Tagen in der Woche vor allem Menschen ohne Einkommen ermöglicht Lebensmittel zu erhalten. Das sind nur drei von vielen Beispielen. Ich kann nur allen Raten sich selbst ein Bild davon zu machen.

Nachbarschaftliche Atmosphäre

Das Zentrum ist kein geschlossener Bereich. Das Haus ist offen für alle. Nachbar*innen unabhängig von Alter, Geschlecht, Sexualität oder Herkunft treffen sich dort und sind dank der unkomplizierten und lockeren Atmosphäre sofort ein Bestandteil der Community mit samt der Möglichkeit sich im vollen Umfang wie alle anderen einzubringen. Es gibt keine Mitgliedschaften oder besondere Voraussetzungen. Jeder kann dabei sein und niemand wird ausgeschlossen.

Freiraum für alle!

Freiraum ist praktisch in jeder Stadt Mangelware. Doch das AZ bietet diesen. Die Räume können unter anderem für Bands genutzt werden die sonst keine Möglichkeit hätten ihre Musik zu machen oder für Künstler*innen die sonst keine Chance hätten ihre Kunst irgendwo auszustellen oder auszuüben. Freiraum zu haben bedeutet aber auch einfach auch nur, dass Menschen ohne Hürde einen Ort haben an dem sie sich wohlfühlen, sich bei Musik und Getränken locker unterhalten können, chillen können und einfach sein können wie sie sind. Manche nennen das AZ nicht ohne Grund ihr zweites Wohnzimmer und ihre Freund*innen die sie dort treffen ihre Familie. Kurzum: Es ist ein Ort mit Freiraum für alle.

Schutzraum

Die kapitalistische Gesellschaft aufgebaut auf Konkurrenz und Wettbewerb ist oft grausam. Wir machen täglich Erfahrungen mit Rassismus, Homophobie, Ausgrenzung, Mobbing, Diskriminierung und andere Formen der Unterdrückung und Herrschaft. Das AZ ist ein Ort an dem die Menschen bemüht sind einen Schutzraum davor bieten. Das heißt konkret: Die Leute sorgen in diesen Räumen und im Umfeld, dass nicht weggeschaut wird, wenn Verhalten oder Strukturen die Freiheit, die Würde oder die Unversehrtheit Einzelner verletzt. Das bedeutet natürlich nicht automatisch, dass alle Leute die sich dort aufhalten heilig oder makellos sind, aber das AZ bietet durch den offenen und kritischen Umgang damit einen wesentlich besseren Schutz, als es außerhalb geschieht.

Fazit

Solche coolen und chilligen Orte sind leider Mangelware. Und wenn es darum geht sie zu erhalten oder weitere zu erschließen ist es wichtig, dass wir alle zusammenhalten. Deshalb:

AZ Gathe Bleibt! Kein Tag ohne Autonomes Zentrum!